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Filmfestival: Japanische Produktionen zeigen Folgen von Fuskushima
von Michael Hunziker — az Aargauer Zeitung7.3.2018 um 11:49 Uhr
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Gezeigt wird der Film «Nuclear Japan» von Hiroyuki Kawai.
© ZVG/Screenshot
Das «Halbwertszeit-Filmfestival» in Brugg erinnert an die Katastrophe von Fukushima – und zeigt zwei japanische Filme erstmals mit deutschen Untertiteln.
Mit der gestrigen Ankündigung, Beznau 1 nach einem rund dreijährigen Unterbruch wieder in Betrieb zu nehmen, sind auch die Atomkraftkritiker präsent auf allen Kanälen. Diesen Sonntag laden sie ein ins Kulturhaus Odeon in Brugg zum «Halbwertszeit-Filmfestival».
Mit dieser jährlichen Veranstaltungsreihe wird erinnert an die Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011. Nach einem Erdbeben und der Überflutung durch einen Tsunami kam es zu Kernschmelzen in den Reaktorblöcken im Atomkraftwerk an der japanischen Ostküste. Radioaktives Material wurde freigesetzt.
Japan einen Tag nach der Katastrophe im Jahr 2011: 
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VOLLBILD



Das Reaktorgebäude von Fukushima 1 nach der Explosion
© Keystone


Ein Video zeigt die heftige Explosion beim Reaktorgebäude von Fukushima 1.
© Keystone


Die Staubwolke breitet sich aus
© Keystone







Zur Verfügung gestellt


Schiff an Land gespült.
Zur Verfügung gestellt


Das «Halbwertszeit-Filmfestival» will die Folgen aufzeigen und den Betroffenen eine Stimme geben. Engagierte Filmemacher, die sich mit den Geschehnissen in den verstrahlten Gebieten befassen, erhalten eine Plattform.
Vieles noch nicht gewusst
Diesmal werden zwei Filme gezeigt des Regisseurs und Juristen Hiroyuki Kawai: «Nuclear Japan» und «Renewable Japan» – erstmals versehen mit deutschen Untertiteln vom erfahrenen Fernsehjournalisten und -produzenten Hartmut Idzko.
Es handle sich sozusagen um Premieren in der Schweiz, freut sich Atomkraftkritiker und Mitorganisator Heini Glauser aus Windisch. Er spricht von zwei sehr detaillierten Werken. Sogar Filmer Hartmut Idzko, der lange in Japan lebte, habe ihm gesagt, dass viel gezeigt werde, was er noch nicht gewusst habe.
Kurz: «Es sind spannende Ersthand-Informationen», sagt Glauser. Die Filme können uns sehr viel lernen, fährt der Windischer fort. «Grosse Fehler sollten von der Menschheit ja nicht wiederholt werden.» Und mit dem Entscheid des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) und des Stromversorgers Axpo, Beznau 1 wieder anzustellen, gewinnen sie an zusätzlicher, trauriger Aktualität, ergänzt er.
Fukushima-Effekt soll nachwirken
Der Ausdruck Halbwertszeit bezeichnet die Zeitspanne, in der sich die radioaktive Strahlung um die Hälfte verringert. Beim Filmfestival steht der Begriff laut den Organisatoren auch dafür, «wie lange der Fukushima-Effekt in unserem Gedächtnis nachwirkt und die Debatte um den Atomausstieg, die Energiewende und unseren Ressourcenverbrauch mitbestimmt».
Glauser pflichtet bei: Die Herausforderung bei der Organisation einer solchen Veranstaltung bestehe auch darin, die Aufmerksamkeit auf ein Ereignis vor sieben Jahren zu lenken – «dies in einer Zeit mit enorm schnellem News-Umlauf».
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Protest der Dokumentarfilmer

Protest in Stuttgart: "Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar!" | Übermedien 02.07.17, 14)43
Protest in Stuttgart: „Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar!“
Boris Rosenkranz 30. Juni 2017 Deutscher Dokumentarfilmpreis
Möglicherweise bekommt Stefan Eberlein heute Abend einen Preis, aber so richtig freuen kann er sich nicht. Im Gegenteil: Eberlein ist ein bisschen sauer, weil er findet, dass seine Arbeit als Dokumentarfilmer nicht genug geschätzt wird – und nicht ausreichend bezahlt. Deshalb will er am Abend dagegen protestieren, zusammen mit weiteren neun von zwölf Nominierten, bei der Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises in Stuttgart. Auf der Bühne.
Die Nominierten haben sich bereits vorab mit Ihrer Klage an die Presse gewandt, auch an Übermedien. In ihrer Protestnote schreiben die Regisseure, der Dokumentarfilm erlebe in den vergangenen Jahren „einen außerordentlichen Boom“. „Allerdings steht die gesellschaftliche Bedeutung des Dokumentarfilms im Widerspruch zum Status, den diese Filme im Programm des öffentlich- rechtlichen Fernsehens haben – und zu unserem rauen Alltag.“
Die Nominierten beklagen einerseits, dass „dieses hochgelobte Genre“ im Programm von ARD und ZDF zu wenig Raum erhalte, und dass selbst Plakat: SWR
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Protest in Stuttgart: "Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar!" | Übermedien 02.07.17, 14)43
in den Dritten Programmen „preisgekrönte Filme“ erst um Mitternacht liefen. Andererseits geht es um das Geld, das die Regisseure dafür bekommen. Um zu zeigen, wie wenig sie verdienen, haben die Nominierten aus Aufwand und Honorar ihrer nun nominierten Filme ein durchschnittliches Gehalt berechnet: Auf rund 120 Euro pro Tag kommen sie dabei, „etwas über dem Mindestlohn“. Und das betreffe „nicht irgendwelche Filme“, betonen sie, „sondern die besten zwölf der letzten beiden Jahre.“
„Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar“, so die Nominierten.
Dass Dokumentarfilmer die Umstände beklagen, ist nicht neu. Immer mal wieder melden sich welche zu Wort, seit Jahrzehnten. Vor fünf Jahren, zum Beispiel, machte die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) mit einer großen Studie darauf aufmerksam, wie schlecht es um das Einkommen ihrer Mitglieder stehe. Sie berechnete damals einen Bruttolohn pro Tag von rund 99 Euro, also noch weniger als die Nominierten jetzt. Was auch daran liegen mag, dass deren Datengrundlage spärlich ist: eben nur die zehn nominierten Filme. Die AG Dok befragte damals 92 Dokumentarfilmer über drei Jahre.
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Beite Spanne: Honorare für die nominierten Filme Tabelle: Nominierte
Die Honorare für die nominierten Filme schwanken stark: zwischen 29.000 Euro für den günstigsten und immerhin 115.000 Euro für den teuersten. Die beiden Spitzen wurden allerdings weggelassen, um den Mittelwert zu berechnen. Dass einer der Filme mit so viel Abstand vorne liegt, kann verschiedene Gründe haben. Ist zum Beispiel der Gegenstand des Films populär, eine Marke womöglich, eine bekannte Person, gibt es mehr Geld. Entsprechend, wenn der Regisseur bereits namhaft ist.
Insgesamt ist die „Studie“ aber keine richtige Studie, dafür ist der Datensatz zu überschaubar. Vielmehr sind die Tabellen Ausdruck des eigenen finanziellen Leids der Nominierten.
Den feierlichen Anlass heute Abend wollen sie nun nutzen. Zumal es sich hier ja, das betonen sie immer wieder, um preiswürdige Filme handle, die schlecht bezahlt würden. Programmverantwortliche in den Sendern wollten diese Filme eher nach hinten schieben im Programm. Zu komplex
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Protest in Stuttgart: "Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar!" | Übermedien 02.07.17, 14)43
alles. Zu langweilig. Es gehe ihnen ausschließlich um die Quote, und die sei bei Dokumentationen eben kleiner als bei einem Fußball-Spiel der Champions League. „Aber bei solchen Preisverleihungen“, schimpft Eberlein, „brüsten sich die Sender dann plötzlich mit uns.“ In Finanzierung und Sendeplätzen schlage sich diese Begeisterung allerdings nicht nieder.
Beachten muss man dabei, dass es den Nominierten bei ihrem Protest ausschließlich um den „künstlerischen 90-Minuten-Dokumentarfilm“ geht, die angebliche Königsdisziplin. Alles, was drunter ist, auch Dokumentarfilme von immerhin 45 Minuten Länge – dafür kämpfen die Regisseure nicht. „Wir wollen eine Lanze für den 90-Minuten-Film brechen“, sagt Eberlein. Was bemerkenswert ist: Die Dokumentarfilmer differenzieren noch mal im eigenen Genre. Jeder kämpft für sich. Was manchen Kollegen irritieren dürfte.
In ihrer Protestnote sprechen sie demnach auch von nur „rund ein[em] Dutzend Dokumentarfilme“, das „die ARD“ binnen eines Jahres zeige. Das wäre in der Tat sehr wenig, so insgesamt, für die ganze ARD. Bestätigt ist die Zahl nicht. Auf Nachfrage präzisiert Eberlein, es handle sich auch hier nur um Filme, die 90 Minuten dauern. Und mit „die ARD“ ist auch nur das Erste Programm gemeint. Die Dritten Programme sind ausgeklammert, obwohl Eberlein sie explizit kritisiert. Was auch eine persönliche Angelegenheit ist.
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Protest in Stuttgart: "Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar!" | Übermedien 02.07.17, 14)43
Parchim International - Kinotrailer - Kinostart: 19.05.2016
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Sein Film „Parchim International“, bereits preisgekrönt und nun auch in Stuttgart nominiert, sei erst nachts im NDR Fernsehen gelaufen, sagt Eberlein: „Das ist echt ein Witz! Das ist ein guter Film, der ist lustig und alles!“ Aber es habe eben bloß diesen Sendeplatz gegeben. Die Verantwortlichen trauten sich nicht, so etwas früher zu senden und dann dazu zu stehen. „Und ich als einzelne Person kann nicht das Sendeschema des NDR beeinflussen“, sagt Eberlein. Das müssten Programmdirektoren und Intendanten machen.
Natürlich weise man permanent auf die schlechten Bedingungen hin. Vor allem versuche man, „Kollegen zu sensibilisieren“, dass es sich um ein „systematisches Problem“ handle. Damit sie merken würden, dass sie nicht
Die Protestierenden
Von den zwölf Regisseuren, die für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2017 nominiert sind, wollen laut Stefan Eberlein zehn gegen die in ihren Augen schlechten Arbeitsbedingungen in ihrem Genre protestieren. Darunter sind: David Bernet, Manuel Fenn, Andres Veiel, Marcus Vetter und Karin Steinberger.
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allein dastehen. Und da alle Dokumentarfilmer „auch Künstler“ seien und eher Einzelkämpfer, sei man nun froh, dass bis auf zwei Nominierte aus dem Ausland alle geschlossen protestierten: die Künstler des 90-Minuten- Films.
Vorab das Gespräch mit den Sendern gesucht, haben die Nominierten nicht, sagen sie. Auch von ihrer Protestaktion heute Abend weiß offenbar niemand etwas. Erst nachdem sie die Bühne „geentert“ und ihren Protest vorgetragen haben, wollen sie sich, sagt Eberlein, an Peter Boudgoust wenden, den Intendanten des Südwestrundfunks (SWR). Der öffentlich- rechtliche Landessender richtet das „Doku Festival“ aus, auf dem der Preis vergeben wird.
Die zehn Nominierten fordern: „Eine Umsetzung der Anerkennung des Genres auch durch höhere Budgets. Ohne dass es dann weniger Sendeplätze gibt. Sondern mehr.“ Und: „Das Ende der Dumping- Honorare.“
Offenlegung: Ich bin freier Magazin-Autor für das NDR Fernsehen.
Nachtrag, 21:03. Gegen Ende der Preisverleihung hat David Bernet, in Anwesenheit der anderen Dokumentarfilmer, auf der Bühne die Protestnote verlesen. SWR-Intendant Boudgoust hat dazu nicht mehr Stellung genommen. Die Preisverleihung endete kurze Zeit später mit einem gemeinsamen Gruppenfoto aller Beteiligten.
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Screenshot: SWR
Nachtrag, 1.7.2017. In unserem Text stand ursprünglich auch, welcher der nominierten Filme der bestbezahlte war. Die Dokumentarfilmer hatten darüber zunächst offen gesprochen, nach Veröffentlichung des Textes aber darum gebeten, es doch nicht zu erwähnen. Auch in der „Studie“ sind die Filme anonymisiert. Wir haben es deshalb nun geändert.
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Peter Frey zu Dokus

„Dokus sind nachhaltiger“
Dem ZDF drohen sparsame Zeiten, der Sender muss massiv Personal einsparen. Chefredakteur Peter Frey erklärt, warum das gar nicht so schlimm ist.
Peter Frey
Peter Frey über die Sparpläne beim ZDF
Ab in die Dokumentation: „ML mona lisa“ macht im Sommer zu Foto: dpa
Weil die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) festgestellt hat, dass einstige Verantwortliche das ZDF stärker aufgebläht hatten als genehmigt, hat die KEF den Sender zum Sparen verdonnert: ein Minus von 562 „Vollzeitäquivalenten“ in Redaktion, Produktion und Verwaltung.
taz: Herr Frey, erst haben Sie „ZDF Reporter“ gestrichen, dann „ZDF Umwelt“ und nun „ML mona lisa“. Wie sehr sparen Sie auf
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Peter Frey über die Sparpläne beim ZDF: „Dokus sind nachhaltiger“ - taz.de 14.03.17, 16*34
Kosten des Programms?
Peter Frey: Wir trennen uns von Bekanntem und entwickeln etwas Neues. Wer nach den Vorgaben der KEF so massiv Personal sparen muss wie das ZDF, der kann Veränderungen nicht anders umsetzen. Nur so konnten auch ZDFzoom und ZDFzeit entstehen. Und auch nur so konnten wir ZDFinfo als dokumentationsorientierten Digitalkanal ausbauen – sehr erfolgreich mit inzwischen 1,2 Prozent Marktanteil, das heißt: täglich vier Millionen Zuschauern, vor allem beim jüngeren Publikum.
Dokus statt Magazine – ein Trend?
Dahinter steht tatsächlich eine strategische Entscheidung. In Magazinen laufen häufig dieselben Themen, nur anders aufbereitet. Dokumentationen bieten mehr Chancen zu Originalität und Vertiefung. Außerdem bleiben sie länger frisch und können so immer wieder eingesetzt werden – im Hauptprogramm, auf ZDFinfo, 3sat und Phoenix. Dokus sind nachhaltiger als Magazine.
Senden Sie noch mehr Dokus, wenn „ML mona lisa“ im Sommer ausläuft?
Wir planen tatsächlich eine neue Reihe und wollen nach britischem und skandinavischem Vorbild auf Constructive Journalism setzen. Uns wird doch immer wieder vorgeworfen, wir würden – etwa bei ZDFzoom – nur den Finger in die Wunde legen oder – etwa bei 37 Grad – vor allem auf Schicksale setzen. Jetzt werden Lösungen im Mittelpunkt stehen: Wie schaffen wir günstigen Wohnraum in unseren Innenstädten oder wie können wir unsere Schulen besser machen? Wir werden dafür die deutsche Wirklichkeit und europäische Erfahrungen vergleichen.
Dieser Ansatz erinnert an das neue Re: auf Arte.
Auch das ist kein Zufall, sondern zwischen den Chefredaktionen
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Peter Frey über die Sparpläne beim ZDF: „Dokus sind nachhaltiger“ - taz.de 14.03.17, 16*34
besprochene Sache. Unsere Idee ist, im Jahr etwa 15 Filme so zu konzipieren, dass wir sie auf beiden Sendeplätzen laufen lassen können.
Können Sie für „Frontal 21“, „Auslandsjournal“ und „Wiso“ Entwarnung geben?
Absolut! Eine unserer Grundlinien ist nämlich auch: Wir wollen mehr Exzellenz im Hauptprogramm ab 19 Uhr, wenn wir besonders viele Zuschauer haben. Damit wir für diese Sendungen unsere Kräfte bündeln und etwa auch investigativ arbeiten können, müssen wir auf anderes verzichten, denn: Nach der Rasenmähermethode überall ein bisschen zu kürzen, funktioniert nicht mehr. Bei den Nachrichten und auch in anderen Redaktionen ist es längst eng geworden. Wir müssen Prioritäten setzen und – das hat unser Personalrat immer wieder gefordert – auch etwas aufgeben.
Im Haus heißt es, „drehscheibe“ und „hallo deutschland“ sollen zusammengelegt werden. Es ist sogar von einer Fusion der Redaktionen von „Morgen“- und „Mittagsmagazin“ die Rede – das eine bisher in Berlin, das andere in Mainz.
Schon jetzt arbeiten „drehscheibe“ und „hallo deutschland“ in Teilen zusammen. Wir denken aber darüber nach, wie wir hier noch mehr Synergien schaffen können. Die Sendungen sollen jedenfalls ihre Eigenständigkeit behalten: Man spricht Zuschauer zu unterschiedlichen Uhrzeiten auch unterschiedlich an. Außerdem haben die Sendungen jeweils eigene Aufgaben. Die „drehscheibe“ schaut etwa am Mittag ins Land, statt sich nur in den Metropolen zu bewegen. Diesen Blick in die deutsche Realität brauchen wir auch weiterhin, aber die redaktionellen Strukturen dahinter können schlanker werden.
Was haben Sie eigentlich mit den MitarbeiterInnen von „ML mona lisa“ vor, die ja noch in München sitzen – weit weg von der Mainzer Zentrale?
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Peter Frey über die Sparpläne beim ZDF: „Dokus sind nachhaltiger“ - taz.de 14.03.17, 16*34
Erst mal: „ML mona lisa“ steht für fast 30 Jahre gesellschaftspolitisch engagierten Fernsehjournalismus aus der Perspektive der Frauen. Sich von einer so renommierten Sendung zu trennen, fällt nicht leicht. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Im Gegenzug halte ich es für zumutbar, den Arbeitsort zu wechseln. Die Zentrale des ZDF ist nun mal in Mainz und so steht es auch in fast allen Arbeitsverträgen. Wir bieten dort andere, spannende Arbeitsplätze – im Bereich Dokumentationen, aber auch für heute.de und Social Media. Aktuell habe ich außerdem eine Position im Studio Peking frei und in Berlin müssen wir „Frontal 21“ verstärken.
München ist keine Option?
In unserem Landesstudio haben wir jedenfalls nicht genügend Arbeitsplätze, um die gesamte Redaktion aufzufangen. Wir loten das einzeln aus und berücksichtigen dabei selbstverständlich auch soziale Härtefälle.
Ihre Vorgänger konnten ausbauen, Sie müssen streichen.
Schön ist das nicht, andererseits sind die Zeiten für JournalistInnen so spannend wie nie. Unsere Nachrichten sind gefragt, wir sind relevant, wir werden gebraucht – aktuell etwa im Kampf gegen Fake News. Ich bin froh, dass wir nicht im „Es bleibt alles beim Alten“-Modus gefangen sind, und allen dankbar, die mitziehen. Wir bauen nicht nur ab, sondern zusammen vor allem auch um. Auch mit unserem neuen Constructive-Format wollen wir im deutschen Fernsehen wieder die Nase vorne haben.
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